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“Wir Frauen sind so” – Nein, sind wir nicht


Je nachdem, in welcher Filterblase man lebt, ist das Thema Sexismus und #aufschrei entweder übermächtig oder nur ein Thema von vielen, das durch die Talkshows getrieben wird. Manche Frauen sprechen von nix anderem mehr, andere tun es mit einem Schulterzucken ab. Das ist okay so, und das sollten auch die bedenken, die sich in Talkshows herausnehmen, im Namen aller Frauen zu sprechen. Das halte ich für ein Unding, denn es gibt bei allen Frauen grundverschiedene Auffassungen davon, wie ein Mann mit einer Frau umzugehen hat, wie das Machtverhältnis tatsächlich verteilt ist, wie definiert wird, was okay ist und was nicht.

Allein der Blick ins Fernsehprogramm gestern beweist – da ist noch viel, was zu debattieren und definieren ist. Der Fernsehabend in RTL startet mit Bohlen, da werden Männer und Frauen gleichermassen fertiggemacht, dann geht es weiter mit dem Bachelor. Ein Mann, umbuhlt von diversen Frauen, die alle versuchen, ihn für sich einzunehmen. Hier ist die Geschlechterwelt noch in Ordung. Oder? Naja, nicht ganz. Geht man einen Schritt weiter, dann ist die Motivation der Frauen, bei dieser Sendung teilzunehmen, weniger die Hoffnung auf den Traummann, sondern viel mehr die verwertbare mediale Aufmerksamkeit, die damit einhergeht. Die Frauen präsentieren sich schön, sexy, willig – und hoffen, das Fernsehpublikum honoriert das und macht aus ihnen kleinere bis größere Medienstars, Moderatorinnen, Soapdarstellerinnen, professionelle Partybesuchererinnen mit Abo auf den roten Teppichen dieser Republik. Der eigentlich ganz nette Kerl, den es auch noch zu gewinnen gibt, ist bestenfalls das Sahnehäubchen. Ich glaube nicht, dass sich eine Frau davon von der #aufschrei-Bewegung vertreten fühlt. Die versuchen, dank Aussehen und dem Ausspielen weiblicher Reize Aufmerksamkeit zu erzielen – beim Bachelor und vor allem beim Zuschauer. Die (und alle anderen, denen diese Frauen als Rollenmodell dienen) würden sich schön bedanken, wenn kein Mann sie mehr ansähe. Das kann man gut oder schlecht finden, ich sehs mal wertfrei, auch wenn es nicht mein Weg ist.

Im krassen Gegenteil dann dazu die Initiatorinnen der #aufschrei-Bewegung bei sternTV. Die versteigen sich sogar soweit, dass Sexismus nur von Mann zu Frau möglich sei, weil die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft den Mann über die Frau stellen. Grundsätzlich. Das finde ich falsch. (Ich möchte bei meinem Beitrag zur Debatte noch einmal ganz klar jeden sexuellen verbalen oder tätlichen Übergriff ausnehmen, oder Fälle, in denen Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt werden. Das ist indiskutabel, darum geht es mir nicht.) Aber mir geht es um diese unendlich komplizierte Grauzone der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die mit Online-Dating, Casual-Sex-Webseiten, Swinger-Communities in einer übersexualisierten und unterfickten Gesellschaft nicht einfacher wird. Wann ist die Frau ein Objekt? Wann der Mann?

Denn im Rahmen der Beziehungsanbahnung ist es anders: Gerade bei der Beziehung zwischen Mann und Frau hat die Frau mehr Macht als der Mann, sie kann sich zurücklehnen und abwarten, ablehnen und gewähren, das kann ein Mann nicht so leicht. Der Mann ist meist der, der den ersten Schritt zu machen hat. Außer in so Sondersituationen wie Bachelor, was vielleicht auch ein Reiz dieser Sendung ist. Ich behaupte sogar, viel Grobheit der Männer entsteht aus diesem Ungleichgewicht der Macht, aus der Frustration darüber, dass der Mann meist derjenige zu sein hat, der den ersten Schritt tut, der die Körbe kassieren muss. Frau wählt aus – oder eben auch nicht.

Wir kommen wir da wieder raus? Ganz einfach: einfach mal wieder durchatmen. Die Dinge mit Abstand betrachten. Harmloses von Nichtharmlosen für sich selbst unterscheiden und jede Frau für sich selbst eine Grenze setzen lassen und nicht in ihrem Namen sprechen. Nicht  die eigene Befindlichkeit zum Maßstab nehmen. Ich möchte selbst die Wahl haben, ob ich etwas als Unverschämtheit empfinde oder als Kompliment.  Wie seht ihr das?

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Jesus liebt mich – nicht genug


Was hätte das für ein cooler Film werden können “Jesus liebt mich” von und mit Florian David Fitz. Der Mann gibt wirklich einen ziemlich überzegenden Jesus ab, das mal vorweg.  Die Idee, dass Jesus in der Jetztzeit auf die Erde kommt und kurz vor der Apokalypse nach dem Rechten sieht, ist nicht neu: zum Beispiel “The Second Coming” von John Niven handelt davon. Und da ist der Film auch wirklich witzig und stimmt nachdenklich, wenn er mit Skinheads, Bettlern und Hippies interagiert, wenn Jesus im Fernsehen sieht, was in Afrika abgeht. Meine Vorstellung: Jesus bei Occupy, Jesus diskutiert mit Wachturm-Verkäufern – das hätte ich sehen wollen. Aber lieber hat sich Fitz entschieden, aus dem Film eine gewöhnliche RomCom zu basteln, die Heldin (Jessica Schwarz) ist so wie in jeder romantischen Komödie etwas schusselig, romantisch, planlos, erfolglos und natürlich sehr hübsch. Jesus verliebt sich in sie,weil sie aussieht wie Maria Magdalena – echt, das ist alles, was es braucht beim Erlöser? Für ganz so oberflächlich hätte ich ihn nicht gehalten. Die Romantik mit Seeblick ist so inszeniert, wie eben auch Bauer sucht Frau Romantik inszeniert, mit rührseligem Song dahinter und jedes Klischee bedient.

Um sie herum die üblichen Knallchargen, aus denen selbst tolle Schauspieler wie Hannelore Elsner oder Henry Hübchen nix mehr rausholen können. Ich hätte gerne mehr erfahren über die Liebesgeschichte zwischen Erzengel Gabriel und der Hippiebraut. Ich hätte auch gerne mehr gewußt vom Teufel, der eigentlich immer eine dankbare Rolle ist, aber hier irgendwie ziemlich planlos rumkommt.

Es gibt witzige Einfälle, immer mal wieder: Die Begegnung mit Gott, Bergpredigt in der Pizzeria, wenn der Film hauptsächlich so gelaufen wäre, das hätte mir gefallen. Da wurde ein tolles Thema total verschenkt zugunsten alberner Lovestory. Sehr schade. Aber es ist ja noch nicht das Ende aller Tage…

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Das Formatradio fordert ein neues Opfer


Schade, die Radioshow von Ali Khan gibt es nicht mehr. Sie wurde – als zu unangepasst, zu unkontrollierbar, zu originell aus dem Programm von Radio Charivari (Charivari heißt übrigens Katzenmusik auf französisch) verbannt. Ein Münchner Sender verliert damit ein echtes Münchner Original. Sowas macht mich traurig und wütend, weil bald nur noch der weichgespülte Scheißdreck die Ohren umsummt. Ich hab bei Ali gern reingehört, hab vor kurzem selbst ein Interview gegeben. 10 Minuten, live. Hat unglaublich Spaß gemacht. Machs gut, Ali. Ich bin sicher, nicht alle Programmchefs sind derartig bescheuert.

Ich erinnere mich noch an einen Stunt von Ali Khan im Fernsehen, als er mit einem Michael Jackson Double kurz vor der erwarteten Ankunft des damals noch lebenden Superstars im Hotel Bayerischer Hof eintraf und anstandslos mit Kamerateam in dessen Suite gelassen wurde, wo lebensgroße Plüschtiere warteten…Unbezahlbar entlarvend und komisch. Solche Leute mit solchen Ideen brauchen wir weiterhin in unserer stromlininienförmigen Medienlandschaft.

http://kingdomofkhan.wordpress.com/2012/12/25/ganz-staad-sei-ein-nachruf-von-ali-khan-uber-radio-fur-munchen-stadt-beliebig-einsetzbar-der-beste-mix-munchens-hitradio-slogan-frei-wahlbar/

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Radio killed the Musicstar


Wenn es ums Urheberrecht geht, geht es auch immer um die sinkenden Gewinne der Musikindustrie. Ja, es kann sein, dass durch Downloads der eine oder andere Euro nicht in den Taschen von Konzernen wie Universal, EMI, Sony BMG landet. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, warum diese Industrie nicht mehr so blüht wie es mal der Fall war. Wahr ist vielmehr, dass die Musikkonzerne seit Anfang der 90er lieber auf Gewinnmaximierung setzten denn auf wirkliche Kunstförderung, die sich die Produzenten so gerne auf die Fahne schreiben.

Der Anfang vom “Ende” war nämlich das sogenannte Formatradio. „Format“ bedeutet, dass Radiosender seit Einführung des Privatradios im großen Maßstab darauf setzen mussten, Werbung zu verkaufen. Und die wird dann sehr gut verkauft, wenn die Zuhörer nicht umschalten. Amerikanische Studien hatten ergeben, dass Leute bei einem relativ gleichförmigen, ihnen schon gut bekannten Klangteppich ohne Irritationen als Hintergrundgeräusch weniger leicht umschalten. Ein Computer errechnet dann diesen Einheitsbrei und den spielt der Moderator nur noch ab, nix mehr mit selbst aussuchen. (deswegen spielen Radiosender von Gruppen wie Queen fast nur Another One bites the Dust, weil dieses Stück vom Stil und Rhythmus besser zu den modernen Stücken passt). Statt einem Musik-enthusiastischen DJ gab es nun Computeralgorhytmen, die die Musikauswahl berechneten, um das Radio so langweilig und damit als Hintergrundgeräusch so angenehm wie möglich zu machen. So entstand der allseits verhasste Dudelfunk, der nur wenige Newcomer pro Woche zulässt. Und nicht nur das: es werden keine ganzen Alben mehr gespielt, sondern ausschließlich ausgewählte Hitsingles der Künstler.

Die Musikindustrie war somit ihrer damals größten Werbeplattform beraubt. Sie reagierte prompt (wir schreiben Mitte bis Ende der 90er): Weniger Experimente, mehr Geld in aufwändige Musikvideos als Promotion stecken, statt aufwändig produzierte Alben lieber Schnellschüsse mit zwei, drei Hitsingles und dem Rest Füllmaterial. Nachwuchsförderung? Ein Künstler, dessen Album nach der 2. Singleauskopplung noch kein Hit war, wurde wieder rausgeschmissen. Und man begann, Formatradio-gerechte Gruppen & Stars in größerem Maßstab zu planen und zu erschaffen. Boygroups, Girlgroups, berechenbare Castingkandidaten waren das zombiegleiche Ergebnis.

Pro Platte nur ein, zwei drei Hits, das fiel sogar dem Massenpublikum auf – die schnellen Schrottalben verkauften sich nicht so gut wie ehedem aufwändig produzierte Konzeptalben. Doch statt an dieser Schraube zu drehen, was riskant und teuer gewesen wäre, hatten die Firmen eine bessere Idee: Mitte der 90er entstanden die Sampler im großen Stil (Kuschelrock, Best of 95); damals wurden übrigens sie als Untergang der Musikindustrie gewertet.

Als das Internet mit seinen Verbreitungsmöglichkeiten und Vermarktungskanälen zu greifen begann, waren die Musikgiganten denkbar schlecht aufgestellt: relativ wenig Nachwuchsbands, wenig gut produzierte Alben. Außerdem konnten sich die Labels Sony, BMG Ariola, EMI und Universal nicht auf eine gemeinsame Vermarktungsplattform geschweige denn ein gemeinsames Preismodell einigen. So gab es nie die eine große Plattform, weil jeder maximal viel vom Kuchen wollte. Am liebsten jeder ein eigenes Kodierungsformat für die mp3s und nur der Verkauf des eigenen Backkatalogs.

Aber das Internet war auch erstmal relativ egal, außer es als Buhmann zu nutzen, konnte keiner damit so richtig was anfangen. Man wurstelte vor sich hin, gab ja noch MTV. Und erst als dieser Ast auch noch weggebrochen war und Apple mit iTunes Riesengewinne machte, entdeckte die Musikwelt mit voller Wucht, dass vermutlich Milliarden nicht in ihre Tasche wandern. Der einzig Schuldige war schnell gefunden: Raubmordkopierer. Doch das Kopieren der Musik ist nur die logische Konsequenz aus 20 Jahren kurzsichtiger Firmenpolitik, die immer den schnellen Euro vor die Produktion von Qualität gesetzt hat. Die GEMA tut ein Übriges, dass der Geldteufel immer nur wieder auf den gleichen Haufen scheißt und wieder bleibt sowas wie Nachwuchsförderung auf der Strecke. Die jetztigen großen Acts wie Justin Bieber, Adele, etc sind übrigens aus dem Netz gefischte Youtube-Stars, die sich selbst promotet haben, bevor es die Firmen taten.

Derzeit sucht man sein Heil übrigens in Liveauftritten – promotete früher ein Künstler sein Album über eine Tournee, ist es nun genau umgekehrt – es werden Alben produziert, um wieder touren zu können. Dass bei den Konzerten die Besucher auch lieber die alten, bekannten Stücke hören wollen, schließt den Kreis zum Dudelfunk.

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Von der Kunst und dem Geld


Ein Aufschrei geht durch Deutschland: der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader, bezieht immer mal wieder ALG2. Dieser Aufschrei wirft ein Schlaglicht auf die Art und Weise, wie Politiker gesehen werden, aber auch darauf, wie freie Künstler gesehen werden. Denn ich hatte auf Twitter geschrieben “Viele hochbezahlte Schauspieler beziehen Sozialhilfe. Da regt sich keiner auf”. Wie man denn sowas behaupten könne, gibt es dafür Belege? Nun, die Belege liegen eigentlich auf der Hand: nicht jeder Fernseh- und schon gar nicht Filmschauspieler ist jeden Tag fest im Engagement. Wenn der Film “ein Krankenhaus in Cornwall” abgedreht ist, geht es erst einmal aufs Arbeitsamt, arbeitslos melden – wie es jeder andere auch täte, der seinen Job los geworden ist. Dazu hat auch ein Künstler das Recht. Und was kommt dann? Eigentlich das Gleiche, wie bei allen anderen auch. Je nach Länge der Beschäftigung erstmal Arbeitslosengeld und nach einem Jahr ALG2. Das ist nicht mal so selten, denn Rollen sind rar. Denn, das übersieht gerne jeder, die Glamourbranche ist so glamourös nicht, die Tagesgagen sind teilweise nicht schlecht, aber alles andere als so, dass man sich einen lauen Lenz machen könnte. Hier verdient keiner Fanstastillionen pro Film wie in Amerika. Rund 2000 Euro pro Tag gibt es im Schnitt für bekannte Gesichter, diejenigen Schauspieler, die in Deutschland gut davon leben können, dürften in Deutschland nicht mehr als 200 sein.
Trüber sieht es für das Heer anderer Künstler auf: Schauspieler und Regisseure, die für 200 Euro pro Abend den Papageno in Kniritz an der Knatter geben, den Maler, der ab und an ein Bild für 1000 Euro verkauft, die Band, die immer mal wieder ein Engagement bekommt und vom Plattenvertrag träumt, der freie Schriftsteller…all die sind darauf angewiesen, ab und an Unterstützung zu beziehen. Diese etappenweise Unterstützung ist Gang und Gäbe und es wundert mich, dass das Arbeitsamt bei Johannes Ponader damit so hoffnungslos überfordert war. Natürlich gibt es noch einen Weg: den einen oder anderen Job zu machen, der Geld bringt, aber die Künstler in ihrer Kunst beschneidet. Und hier sind wir bei dem Punkt, den Johannes Ponader meiner Meinung nach zeigen will.
Denn was bringt eine Gesellschaft wirklich weiter? Da sind wir bei der Fabel von der Ameise und der Grille. “Da könnte ja jeder kommen”, heißt es dann. Oder “Nur wer arbeitet, darf essen.” Künstler, Freiberufler, Ehrenamtliche arbeiten ja auch. Nur stellt sich da die Bezahlung nicht immer sofort oder ausreichend ein. Da gibt es Durststrecken. Soll es deswegen keine Kunst mehr geben? Nun, dass das möglich sein sollte, dafür setzen wir uns Piraten ein. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen für jeden. Wir hätten gerne eine Republik mit einem Recht auf Glück und einem Recht, den Beruf auszuüben, der einen erfüllt und glücklich macht. Vielleicht ist es (noch) eine Utopie – aber wer es als asoziale Unverschämtheit geisselt, sollte sein Weltbild überdenken. Ich würde in einer Welt ohne Grillen nicht leben wollen.

Der zweite Punkt, der mich irritiert, ist das Bild der Politiker. Anscheinend ist es völlig selbstverständlich, dass prominente Politiker Gutverdiener sind. Dass eine politische Partei reich ist. Das ist falsch. Die Piraten stehen am Anfang, beziehen kaum die Parteiunterstützung der Etablierten – wir können uns es nicht leisten, Vorstand und Ehrenamtliche zu bezahlen. Viele empfinden jetzt die staatliche Unterstützung mit ALG2 als Frechheit, aber über die Millionen der Parteienfinanzierung und Spenden wird kein Wort verloren. Es wird sich beschwert über die angeblich zu hohen Diäten der Politiker, ein mittlelloser Politiker ist aber genauso ein Unding. Als ob man sich als politische Partei ganz selbstverständlich aus den Staatstöpfen bedienen könnte. Wie pervers ist das denn? Steuern, Vortragshonorare, Vorstandsposten im großen Stil beziehen ist supi, im klitzekleinsten, dem ALG2, ist Geld vom Staat Ausnutzen und eine Sauerei? Das ist Bildzeitungslogik, die den sozialmißbrauch geisselt und über den steuerlosen Deal von VW mit Porsche kein Wort verliert. Dass, was eine Hyporealestate schon an Stuergeldern verschleudert hat, kann eine Armee von Hartz IVlern versorgen. Ich würde mir wünschen, die Leute würden das erkennen und anfangen, mit gleichem Augenmaß zu messen. Und es ist traurig, dass es “Anhänger” der piraten gibt, die erklären, das Tun von Johannes Ponader würde schaden. Er hat versucht, eine Grundidee der Partei, das bedingungslose Grundeinkommen, vorzuleben.  Er ist an den herrschenden Bedingungen gescheitert. Aber er hat eine Diskussion angestoßen.  Wer das als Schaden empfindet, sollte uns nicht wählen.

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Ich glaub es hackt – was für eine Kampagne!!!


So, jetzt hab ich lang nix mehr geschrieben, wie es immer bei mir ist, wenn es im Leben drunter und drüber geht… Aber mich regt gerade diese Aktion des Handelsblatts dermassen auf, dass ich was loswerden muss. Ich stehe nämlich auf beiden Seiten, bin Kreative und zugleich bin ich Piratin.

Will ich, dass die Kreativen von Luft und Liebe leben? Nein!

Will ich , dass alles, alles im Internet umsonst zu bekommen ist? Auch nein.

Ich will, dass Leute für ihre Arbeit anständig entlohnt werden. Nur, woran liegt das eigentlich, dass es vielen Kreativen derzeit nicht gut geht? Die Antwort der 100 Köpfe im Handelsblatt ist klar: an der bösen Umsonst-Kultur im Internet, wo alles geraubt und gestohlen wird, was andere mühevoll erschaffen haben. Hmmm. Stimmt das so? Ich sage nein.Wo wird denen denn was gestohlen?

Klar, die Verleger ärgern sich, dass sie ihr Zeug im Internet umsonst anbieten müssen. Was aber daran liegt, dass das, was sie da produzieren, niemandem einen Cent wert ist. Und warum? Weil es liebloses, mit Werbung, Popups und Bannern versauter Mist ist, heruntergetipselt von unterbezahlten Praktikanten, schlecht recheriert und meist aus amerikanischen Blogs zusammengeklaut. Jawohl, GEKLAUT. Warum soll ich bei xy online drei Tage später etwas lesen wollen, was Perez Hilton oder gofugyourself drei Tage früher und dazu noch besser geschrieben präsentieren? Denn wer hat je erlebt, dass Artikel geklaut werden, welcher Blogger, welcher Pirat hat sich je den teuren, ach so wertvollen Content angeeignet, den die Online-Ausgaben der Zeitungen verbreiten? Hab ich noch nie gesehen.

Freie Redakteure und Fotografen werden oft mit einem Hungerlohn abgespeist, bei Konzerten nimmt man nicht mehr die Aufnahmen eines Fotografen vor Ort, der einen besonderen Moment des tatsächlichen Konzerts einfängt, sondern nimmt den kostenlosen Promoshot des Veranstalters als Aufmacherbild – Kosten senken, Kosten senken. In den Redaktionen werden die teuren Redakteure entlassen und durch Sogutwiemsonstkräfte ersetzt, billig muss alles sein, billig und dankbar müssen die Jungjournalisten sein, dass sie überhaupt für das Blatt schreiben dürfen.

Toprecherchierte Artikel findet man heutzutage in Blogs, wo auch Guttenberg und Konsorten aufgedeckt wurden, wo heute Meinung und Politik gemacht wird. Diese Blogs verdienen Geld, weil das Publikum lesen will, was da produziert wird. Das Internet ist der Tod der Kreativität? Dass ihr es wagt, mit euren in die Jahre gekommenen Blättern von Kreativität zu reden. Habt ihr euch mal umgekuckt, was da im Internet an wirklicher Kreativität geboten wird? Und nochwas: Die Leute machen das freiwillig, umsonst – um sich und der Welt eine Freude zu machen. Und werden, wenn sie richtig gut sind, trotzdem Millionäre, wie Simon Tofield, der Erfinder von Simon’s Cat. Oder ein Mister Tutorial. Oder, oder, oder…

Klar, die Musikindustrie ist die einzige Industrie, die wirklich einen Grund hat, sauer zu sein aufs Internet, das muss ich einräumen. Ansonsten? Das Dilemma ist hausgemacht – und auch da zu lösen. Bietet etwas, was so geil ist, dass ihr es nicht verschenken müßt. Alles andere könnt ihr gepflegt vergessen.

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Nicht verpassen: John Niven liest in der Brotfabrik Hausen!


Gestern beim Webmontag in der Brotfabrik Hausen bin ich auf ein Plakat gestossen, das bei mir helle Freude ausgelöst hat: John Niven kommt am 27. 09 nach Frankfurt und liest aus seinem Buch “The Second Coming” (auf Deutsch: Gott Bewahre!) . Ich kann das Buch nur allen ans Herz legen, es ist zugleich eins der fiesesten und dabei eins der menschenfreundlichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Und der Humor trifft auf den Punkt. Gott kommt aus dem Urlaub zurück, und er ist echt sauer als er sieht, was wir aus dem Planeten gemacht haben. In der Hölle (ein Themenrestaurant ala Planet Hollywood, in dem für alle Zeiten 80er Hits auf der Panflöte gespielt werden, es nur Budweiser gibt und MC Hammer Pants und Requistiten aus Police Academy die Wände zieren) herrscht Hochbetrieb. Jesus muss wieder runter auf die Erde – und dieses Mal geht er es eine Nummer größer an und wird TV Star…aber er trifft wen, der noch gemeiner als der Teufel selbst ist. Großartiges Buch, ich freue mich auf die Lesung!

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Fernsehen vom Allerwiderlichsten


Ich bin echt entsetzt. Zutiefst schockiert. Und das meine ich nicht ironisch. Gestern abend wurde meine Twittertimeline auf einmal ganz wuschig über eine Sendung namens #sg. Ich hab erst mal schauen müssen, was der Hashtag bedeutet…jetzt weiß ich es: Schwiegertochter gesucht. Bislang hab ich ja immer um diese Sendungen herumgezappt, ab und an mal bei Bauer sucht Frau reingeguckt. Gut, da waren die Leute nicht frisch aus dem Modelkatalog, die Wohnungen nicht mein Geschmack und die Romantik abgestanden, aber es hielt sich im Rahmen. Aber was da gestern über den Bildschirm flimmerte, hat mir echt die Sprache verschlagen.

Wie kann man Leute, die so offensichtlich nicht kapieren, was da mit ihnen gemacht wird, so derartig vorführen? Seit wann ist es wieder politisch korrekt, ins Panoptikum zu gucken? Während bei jeder anderen Sendung ein Stab von Stylisten udn MakeUp Artists sich darum kümmert, die Gezeigten möglichst vorteilhaft ins Bild zu bringen, hat man hier die Leute ins offene Messer laufen lassen: Pickel, fettige Haare, unvorteilhafte Kleidung. Die Gemüter so schlicht wie die Bowle mit Dosenobst.

Die Handlung dürftig, die Kommentare gnadenlos zynisch, saccarinsüß wird von Romantik gefaselt und nichts, nichts, nichts ist romantisch an dem Scheißdreck. Denkt einmal jemand darüber nach, wie es den Leuten hinterher geht? Wie es den Abgewiesenen oder denen geht, die behalten werden?

Ja, ja, ich weiß, jetzt kommt gleich: “Die wissen doch, was ihnen blüht, das läuft doch immer so im Fernsehen.” Und da sag ich, nein, die wissen es nicht. Das ist genau das Widerliche daran, dass man Leute auswählt, die eben genau nicht abschätzen können, in was sie da reingeraten. Die haben in ihrem Leben vielleicht noch nie eine Beziehung gehabt, haben irgendwelche romantischen Hefterl gelesen und träumen vom großen Glück. Darf man mit solchen Gefühlen spielen? Ich finde nicht.

Es gab mal eine Sendung im Österreichischen “Liebesgeschichten und Heiratssachen“, da kamen diese Leute auch zu Wort. Aber liebevoll und würdevoll. Ich finde auch nicht, dass nur Models unsere TV Kanäle bevölkern sollten. Es ist gut, wenn jedermann zu sehen ist – aber bitte nicht als zynische Verarsche.

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Dschungelcamp versus Alm – RTL kann es besser


Diese Woche startet wieder ein “Promi in ekligen Situationen”-Format. Statt in den australischen Dschungel geht es in die Alpen “Promischweiß und Edelweiß“, auf eine archaische Hütte. Statt auf RTL auf Pro7, statt mit Dirk Bach und Sonia Zietlow mit Daniel Aminati und Janine Kunze. Alles ist wie eine Antwort auf das RTL-Camp: statt mit Peer Kusmak mit seiner Exfrau Charlotte Karlinder, statt mit Assi-Model Sarah Knappig nun mit ihrer Ex-Busenfreundin und Neu-Intimfeindin Gina Lisa. Dazu Tessa, die schon in vielen Formaten für Ärger sorgen sollte und das nie hinbrachte.

Es ist eine Antwort und ein Abklatsch zugleich. Pro7 hat sowas einfach nicht drauf. Die können nicht besonders gut casten. Die Moderatoren wirken so perfide wie Tweety, das Küken und sind so langweilig wie Butterbrot. Ganz abgesehen davon, dass Janine Kunze eigentlich ein Kandidat fürs ausmisten auf der anderen Seite ist. Die Prominenten sind auch nicht wirklich spannend. Von denen hat man schon alles gelesen, gesehen, gehört – da ist keine Überraschung drin. Gina Lisa wird über ihre Lesbenerfahrungen quaken, Tessa wird nöhlen, der Ludolf bei der Hütte kucken, was er verticken kann und die Kalinder wird als Hardcore-Tierschützerin sich rettend in den Kuhdung werfen udn beim Essen zumzicken. Karsten Spengemann soll das Oberteil ausziehen und den Mund halten. Und wo ist lillliana Matthäus, oder Harald Glööcker? Ach ja, bei RTL…

RTL hingegen hat ein perfid-perfektes Moderatoren-Paar aus Duffy Duck und Schweinchen Dick, die sich plötzlich in tasmanische Teufel verwandeln. Sie haben abgehalftertes Promimaterial, das aber immer für Überraschungen gut ist (zumindest hinter den Kulissen wissen die Redakteure genau, welcher “Promi” echtes Potential hat, vor der Kamera zum Wahnsinn zu mutieren).

Das sollte Pro7 sich zu Herzen nehmen und nachmachen – aber die denken zu viel über hübsche Optik nach, über Massentauglichkeit, über irgendwelche Marktforschungen – und liegen so immer daneben. Traut euch was, sonst holt ihr RTL nie ein.

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Und ihr wundert euch?


Gleich vorneweg: ich hab die Petition gegen das Verbot von Spielen unterzeichnet, weil ich es zum einen unmöglich finde, dass Erwachsenen der Spaß zensiert wird aufgrund von Jugendschutz, zum anderen, weil ich befürchte, dass dann auch wirklich tolle Spiele nicht mehr den Weg nach Deutschland finden.

ABER: Die Gamesbranche macht es ihren Kritikern leicht. Zu leicht. Ich hab gestern abend durch ein Gamingheft geblättert, das mein Freund erworben hatte. Und ich hab nur noch mit den Augen gerollt. Wer nach der Lektüre dieses Heftes glaubt, dass Gamer alle einen an der Waffel haben, dem kann ich nur beipflichten. Es dauerte bis Seite 52, bis es eine Seite gab, auf der nicht jemand grade auf die eine oder andere Art in die nächste Welt befödert wurde. Danach wieder 10 Seiten später was Ruhiges und irgendwo dann nochmal drei Seiten zum Thema Fifa 2010. Das wars mit den Nichtgewaltspielen.  Sonst quollen die Seiten über von Shootern, Zombieshootern, Kriegsspielen, Nazizombies, Zombiepiraten, Monstern, Orks, Soldaten, Einzelkämpfern, Schwertkämpfern, Attentätern…Es hat mich traurig gemacht, diese Zeitung zu lesen. Die Gamesinhalte waren so läppisch und so auf billigste Effekte gebürstet. Und der größte Käse wurde am meisten gelobt, weil die Zombies eine so tolle Graphik hatten.

Was ich mich jetzt frage:  Ist das tatsächlich eine realistische Abbildung dessen, was die Publisher produzieren? Oder sind die Redakteure, die solche Zeitungen schreiben, so begeistert von der tollen Graphik eines Shooters, dass sie dem immer mehr Platz einräumen, als einem orginelleren und harmloseren, aber nicht ganz so gigantisch graphisch aufbereiteten Adventure?

Damit man mich nicht missversteht, ich finde etwa Games wie Halflife oder Bioshock toll, Assassins Creed oder Prince of Persia. Da haben die Entwickler eine ganz originelle Welt geschaffen, die Spiele sind zwar teilweise auch blutig, aber die Stories intelligent, die Graphik großartig, die Spiele nehmen gefangen und sie bieten etwas Neues. Aber der 100. Abklatsch bringt es eben nicht mehr. Ich würde mir mehr Spiele wünschen wie Portal. Keine Angst, ich will niemand dazu verdammen, nur Hexic oder Peggle spielen zu müssen oder statt Halo ein Eyepet zu bespaßen.

Aber ich würde sagen, es wundert mich nicht, wenn – wie eben passiert – die SOS-Kinderdörfer eine Spende der Gamesindustrie ablehnen. Diese Industrie ist gerade auf der Weggabelung, sich entweder im Massenmarkt zu etablieren oder ihren Ruf nachhaltig zu verlieren. Und die Hersteller der Konsolen, die Publisher und vor allem die Redakteure, Blogger und Fans täten gut daran, sich mehr auf die Qualitätsspiele einzulassen, als die Masse an Blut und Gedärmen als Qualitätskriterium zu sehen.

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