Archiv der Kategorie: TV Serien

“Wir Frauen sind so” – Nein, sind wir nicht


Je nachdem, in welcher Filterblase man lebt, ist das Thema Sexismus und #aufschrei entweder übermächtig oder nur ein Thema von vielen, das durch die Talkshows getrieben wird. Manche Frauen sprechen von nix anderem mehr, andere tun es mit einem Schulterzucken ab. Das ist okay so, und das sollten auch die bedenken, die sich in Talkshows herausnehmen, im Namen aller Frauen zu sprechen. Das halte ich für ein Unding, denn es gibt bei allen Frauen grundverschiedene Auffassungen davon, wie ein Mann mit einer Frau umzugehen hat, wie das Machtverhältnis tatsächlich verteilt ist, wie definiert wird, was okay ist und was nicht.

Allein der Blick ins Fernsehprogramm gestern beweist – da ist noch viel, was zu debattieren und definieren ist. Der Fernsehabend in RTL startet mit Bohlen, da werden Männer und Frauen gleichermassen fertiggemacht, dann geht es weiter mit dem Bachelor. Ein Mann, umbuhlt von diversen Frauen, die alle versuchen, ihn für sich einzunehmen. Hier ist die Geschlechterwelt noch in Ordung. Oder? Naja, nicht ganz. Geht man einen Schritt weiter, dann ist die Motivation der Frauen, bei dieser Sendung teilzunehmen, weniger die Hoffnung auf den Traummann, sondern viel mehr die verwertbare mediale Aufmerksamkeit, die damit einhergeht. Die Frauen präsentieren sich schön, sexy, willig – und hoffen, das Fernsehpublikum honoriert das und macht aus ihnen kleinere bis größere Medienstars, Moderatorinnen, Soapdarstellerinnen, professionelle Partybesuchererinnen mit Abo auf den roten Teppichen dieser Republik. Der eigentlich ganz nette Kerl, den es auch noch zu gewinnen gibt, ist bestenfalls das Sahnehäubchen. Ich glaube nicht, dass sich eine Frau davon von der #aufschrei-Bewegung vertreten fühlt. Die versuchen, dank Aussehen und dem Ausspielen weiblicher Reize Aufmerksamkeit zu erzielen – beim Bachelor und vor allem beim Zuschauer. Die (und alle anderen, denen diese Frauen als Rollenmodell dienen) würden sich schön bedanken, wenn kein Mann sie mehr ansähe. Das kann man gut oder schlecht finden, ich sehs mal wertfrei, auch wenn es nicht mein Weg ist.

Im krassen Gegenteil dann dazu die Initiatorinnen der #aufschrei-Bewegung bei sternTV. Die versteigen sich sogar soweit, dass Sexismus nur von Mann zu Frau möglich sei, weil die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft den Mann über die Frau stellen. Grundsätzlich. Das finde ich falsch. (Ich möchte bei meinem Beitrag zur Debatte noch einmal ganz klar jeden sexuellen verbalen oder tätlichen Übergriff ausnehmen, oder Fälle, in denen Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt werden. Das ist indiskutabel, darum geht es mir nicht.) Aber mir geht es um diese unendlich komplizierte Grauzone der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die mit Online-Dating, Casual-Sex-Webseiten, Swinger-Communities in einer übersexualisierten und unterfickten Gesellschaft nicht einfacher wird. Wann ist die Frau ein Objekt? Wann der Mann?

Denn im Rahmen der Beziehungsanbahnung ist es anders: Gerade bei der Beziehung zwischen Mann und Frau hat die Frau mehr Macht als der Mann, sie kann sich zurücklehnen und abwarten, ablehnen und gewähren, das kann ein Mann nicht so leicht. Der Mann ist meist der, der den ersten Schritt zu machen hat. Außer in so Sondersituationen wie Bachelor, was vielleicht auch ein Reiz dieser Sendung ist. Ich behaupte sogar, viel Grobheit der Männer entsteht aus diesem Ungleichgewicht der Macht, aus der Frustration darüber, dass der Mann meist derjenige zu sein hat, der den ersten Schritt tut, der die Körbe kassieren muss. Frau wählt aus – oder eben auch nicht.

Wir kommen wir da wieder raus? Ganz einfach: einfach mal wieder durchatmen. Die Dinge mit Abstand betrachten. Harmloses von Nichtharmlosen für sich selbst unterscheiden und jede Frau für sich selbst eine Grenze setzen lassen und nicht in ihrem Namen sprechen. Nicht  die eigene Befindlichkeit zum Maßstab nehmen. Ich möchte selbst die Wahl haben, ob ich etwas als Unverschämtheit empfinde oder als Kompliment.  Wie seht ihr das?

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Meine Begegnung mit Osama Bin Laden


20120717-164711.jpg Tja, dass Elvis lebt, wird ja immer mal wieder behauptet – aber dass auch Osama Bin Laden lebt, war mir neu. Umso überraschter war ich, als mir unser Reiseführer einen Herrn als Osama bin Laden vorstellte. “Unser berühmtester Mitbewohner”, meinte er stolz. Jetzt war ich wirklich ratlos. Na gut, der Mann trug Tarnhosen und hatte einen grauen Bart, aber, da war doch was…Aber der Reiseführer bestand darauf, den Laden von Osama zu besuchen, er betreibt in der Kashba von Quarzazate einen Kiosk für Getränke, Haushaltswaren und Tee.

Da lüfetete sich das Geheimnis: der freundliche Getränkehändler ist nämlich der berühmteste Statist der Stadt. Er spielte in vielen Bibelproduktionen mit (als Jünger Thomas bei Zefirelli) und wegen seinem langen grauen Bart läßt er sich auch easy als Terrorfürst stylen – und so mimte er den Osama bei diversen BBC und amerikanischen TV-Produktionen. Tja – und mit Turban und Kalashnikow wird dann aus dem Getränkehändler schnell mal der einst gesuchteste Mann der Welt. Die Bilder von sich, die er gerahmt in seinem Shop hängen hat, bringen mich schon ins Grübeln – irgendwer hat ja immer die Echtheit der Drohvideos angezweifelt…

Jetzt ist “Osama” übrigens gerade als Urvater Abraham engagiert – eine weitere Bibelproduktion…

(Because of the sensitive topic I will translate this blogpost) It’s always stated that Elvis is still alive, but to learn that Osama Bin Laden still lives was news to me. I was very surprised as our Guide in Quarzazate introduced a man to us as Osama Bin Laden. “Our most famous citizen”, he stated proudly. I was at a loss. Well this guy wore combat trousers and had a grey beard, but…Our guide insisted to visit the shop Osama was owning, he sold beverages and tea leaves in the Kaszbah.

But there was an explanation: the friendly vendor was the most famous extra and part time actor in town. Booked for many biblical movies and TV-productions (he was the disciples Thomas in the Zefirelli movie) and, because of his long grey beard, he was also discovered to play the most feared and sought after man in the world for many BBC- or American TV-documentaries. With turban and Kalashnikov he could be easily styled that way, the photos of his productions, proudly framed and displayed in his shop, prove it. 20120717-170543.jpg Right now, “Osama” is working as Abraham in another Bible-documentary.

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Marokkos Hollywood: Ouarzazate


Es muss nicht immer Marrakesch sein: Quarzazate im Landesinneren Marokkos ist mehr als eine Reise wert. Zum einen ist schon die Fahrt von Marrakesch über das Atlasgebirge dorthin eine Schau: Malerische Landschaften, coole Hippiecafes in den unmöglichsten Kurven, wo man auf der Dachterrasse sitzen, Minztee trinken und den Autofahrern beim Schwitzen zugucken kann. Weil es heiß ist, vor allem, weil die Strecke nur geübten Fahrern zu empfehlen ist, die auch auf Gebirgspässen der Alpen noch locker die Nerven behalten. Belohnt wird man mit ungeheuer vielfältigen Aussichten und Farbspielen des Sandes, Der Felsen und Vegetation. Fantastisch.

Das älteste Lokal am Platze, Chez Dimitri, gibt es seit 1928. Die Tagines, die ich dort probiert habe, waren toll. Eine Mischung aus süss und salzig, Gewürzen wie Safran, Kreuzkümmel und Chilli. Aber die sind nicht die Attraktion des Lokals. Die hängt an den Wänden – denn Chez Dimitri ist das Restaurant des Stars, das Spago von Quarzazate. Und Quarzazate ist das Hollywood Marokkos. Alles, was irgendwie mit Sand zu tun hat, wird hier gedreht: Ridley Scotts Gladiator und Königreich der Himmel, Quatermain, Das Juwel vom Nil mit Michael Douglas, Asterix und Kleopatra, Prince of Persia, Alexander mit Angelina Jolie, Zefirellis Jesus von Narareth (Teile davon, der Großteil in Tunesien, da wurde dann auch Life of Brian drin gedreht), Teile von Starwars 1, und noch ganz viele Bibelfilme und Archäologie-Dokus. Und noch so einige politische Dokus, aber davon im nächsten Artikel mehr. Und alle Stars waren bei Chez Dimitri, ihre Autogramme an den Wänden bezeugen es. Ziemlich cool.

Es gibt dort Filmstudios zu besichtigen, in denen noch viele der berühmten Kulissen stehen. Praktischerweise so hintereindergeschachtelt, dass sie sich immer wieder für immer neue Sandalen, Sand- und Bibelfilme eignen. Erfreulicherweise haben die Marokkaner das mit dem Merchandising noch nicht so raus und so präsentieren sich die Filmstudios sehr charmant und ohne zuviel Brimborium drumrum. Kurios ist der tibetische Tempel, der aus Kundun stammt und weniger zum Sand als zu den Schneefeldern des Himalaya passen würde.

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Von der Kunst und dem Geld


Ein Aufschrei geht durch Deutschland: der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader, bezieht immer mal wieder ALG2. Dieser Aufschrei wirft ein Schlaglicht auf die Art und Weise, wie Politiker gesehen werden, aber auch darauf, wie freie Künstler gesehen werden. Denn ich hatte auf Twitter geschrieben “Viele hochbezahlte Schauspieler beziehen Sozialhilfe. Da regt sich keiner auf”. Wie man denn sowas behaupten könne, gibt es dafür Belege? Nun, die Belege liegen eigentlich auf der Hand: nicht jeder Fernseh- und schon gar nicht Filmschauspieler ist jeden Tag fest im Engagement. Wenn der Film “ein Krankenhaus in Cornwall” abgedreht ist, geht es erst einmal aufs Arbeitsamt, arbeitslos melden – wie es jeder andere auch täte, der seinen Job los geworden ist. Dazu hat auch ein Künstler das Recht. Und was kommt dann? Eigentlich das Gleiche, wie bei allen anderen auch. Je nach Länge der Beschäftigung erstmal Arbeitslosengeld und nach einem Jahr ALG2. Das ist nicht mal so selten, denn Rollen sind rar. Denn, das übersieht gerne jeder, die Glamourbranche ist so glamourös nicht, die Tagesgagen sind teilweise nicht schlecht, aber alles andere als so, dass man sich einen lauen Lenz machen könnte. Hier verdient keiner Fanstastillionen pro Film wie in Amerika. Rund 2000 Euro pro Tag gibt es im Schnitt für bekannte Gesichter, diejenigen Schauspieler, die in Deutschland gut davon leben können, dürften in Deutschland nicht mehr als 200 sein.
Trüber sieht es für das Heer anderer Künstler auf: Schauspieler und Regisseure, die für 200 Euro pro Abend den Papageno in Kniritz an der Knatter geben, den Maler, der ab und an ein Bild für 1000 Euro verkauft, die Band, die immer mal wieder ein Engagement bekommt und vom Plattenvertrag träumt, der freie Schriftsteller…all die sind darauf angewiesen, ab und an Unterstützung zu beziehen. Diese etappenweise Unterstützung ist Gang und Gäbe und es wundert mich, dass das Arbeitsamt bei Johannes Ponader damit so hoffnungslos überfordert war. Natürlich gibt es noch einen Weg: den einen oder anderen Job zu machen, der Geld bringt, aber die Künstler in ihrer Kunst beschneidet. Und hier sind wir bei dem Punkt, den Johannes Ponader meiner Meinung nach zeigen will.
Denn was bringt eine Gesellschaft wirklich weiter? Da sind wir bei der Fabel von der Ameise und der Grille. “Da könnte ja jeder kommen”, heißt es dann. Oder “Nur wer arbeitet, darf essen.” Künstler, Freiberufler, Ehrenamtliche arbeiten ja auch. Nur stellt sich da die Bezahlung nicht immer sofort oder ausreichend ein. Da gibt es Durststrecken. Soll es deswegen keine Kunst mehr geben? Nun, dass das möglich sein sollte, dafür setzen wir uns Piraten ein. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen für jeden. Wir hätten gerne eine Republik mit einem Recht auf Glück und einem Recht, den Beruf auszuüben, der einen erfüllt und glücklich macht. Vielleicht ist es (noch) eine Utopie – aber wer es als asoziale Unverschämtheit geisselt, sollte sein Weltbild überdenken. Ich würde in einer Welt ohne Grillen nicht leben wollen.

Der zweite Punkt, der mich irritiert, ist das Bild der Politiker. Anscheinend ist es völlig selbstverständlich, dass prominente Politiker Gutverdiener sind. Dass eine politische Partei reich ist. Das ist falsch. Die Piraten stehen am Anfang, beziehen kaum die Parteiunterstützung der Etablierten – wir können uns es nicht leisten, Vorstand und Ehrenamtliche zu bezahlen. Viele empfinden jetzt die staatliche Unterstützung mit ALG2 als Frechheit, aber über die Millionen der Parteienfinanzierung und Spenden wird kein Wort verloren. Es wird sich beschwert über die angeblich zu hohen Diäten der Politiker, ein mittlelloser Politiker ist aber genauso ein Unding. Als ob man sich als politische Partei ganz selbstverständlich aus den Staatstöpfen bedienen könnte. Wie pervers ist das denn? Steuern, Vortragshonorare, Vorstandsposten im großen Stil beziehen ist supi, im klitzekleinsten, dem ALG2, ist Geld vom Staat Ausnutzen und eine Sauerei? Das ist Bildzeitungslogik, die den sozialmißbrauch geisselt und über den steuerlosen Deal von VW mit Porsche kein Wort verliert. Dass, was eine Hyporealestate schon an Stuergeldern verschleudert hat, kann eine Armee von Hartz IVlern versorgen. Ich würde mir wünschen, die Leute würden das erkennen und anfangen, mit gleichem Augenmaß zu messen. Und es ist traurig, dass es “Anhänger” der piraten gibt, die erklären, das Tun von Johannes Ponader würde schaden. Er hat versucht, eine Grundidee der Partei, das bedingungslose Grundeinkommen, vorzuleben.  Er ist an den herrschenden Bedingungen gescheitert. Aber er hat eine Diskussion angestoßen.  Wer das als Schaden empfindet, sollte uns nicht wählen.

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Der Mythos vom Umsonstnetz


Ganz ehrlich, wo kauft der Mensch lieber ein: in einem Laden, der schick ausgestattet ist, freundlich und hell, wo man auf einen Blick findet, was man will, die beste Auswahl hat, alles ist frisch, neu und unbeschädigt. Oder in einem muffigen Store, wo ein paar ranzige Ladenhüter einer einzigen Marke herumliegen, die auch noch ans Regal gekettet und völlig überteuert sind. Hm? Ja genau, in dem ersten Laden.

Und, liebe Rechtinhaber, dieser Laden ist der, der im Internet illegal ist. Wieso? Ja, das würden wir gerne von Euch wissen, wir Konsumenten. Wie kann das sein, dass man in der rechtlichen Grau-bis Schwarzzone alles bekommt, wonach das Herz begehrt, es leicht bekommt, ohne großes Brimborium. Wo hingegen im legalen Shop die Ware – so überhaupt vorhanden – so richtig mühselig zu suchen ist, zu entsperren etc.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Wir würden lieber legal was kaufen im Netz. Jawohl. Wir möchten nicht, dass Künstler, die wir mögen, nichts verdienen. Glaubt mir, das ist so. Aber was wir auch richtig gerne haben, ist Bequemlichkeit. Ich bin sicher, die Kunden entscheiden sich immer fürs Beste, weil bequemste Angebot im Netz. Das macht Amazon und Apple so erfolgreich. Aber auch da gibt es Hindernisse. Das, was wir uns kaufen, gehört uns gar nicht so richtig, sondern kann nur auf bestimmten Geräten abgespielt werden. Und, wir müssen bei jeder gekauften DVD einen Monolog über uns ergehen lassen, wir wären Verbrecher. Wohlgemerkt, der Monolog und die Werbung (Vorschauen und Trailer genannt) kommen nur dann, wenn wir was kaufen!

Baut ein Portal, das wirklich frische Ware anbietet, kommt, gebt euch einen Ruck, es geht nicht mehr, mit us Serien 10 Monate später auf den deutschen Markt zu kommen, und tut euch zusammen, das Angebot nur einer Firma allein reicht nicht. Auch wenn dann mal die Konkurrenz erworben wird, beim nächsten mal seid ihr wieder dran, versprochen.

Und das letzte, ganz wichtige Element zum Erfolg: seid nicht so gierig. Eine CD oder DVD ohne Rohling, ohne Hülle und ohne Booklet, ohne Extras und alles, ohne ohne Vertrieb und Geschäftsmiete muss billiger sein als die reale Version. Wesentlich.

Denkt drüber nach – auch Kim Schmitz hatte Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. All das Geld hätte euch gehören können. Wir hätten euch geliebt dafür – und ihr hättet vermutlich noch viel, viel mehr verdient als Kim Schmitz. Weil: wir möchten gerne legal kaufen. Hand aufs Herz.

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Mehr Gehalt und Parties für Politiker und Firmenbosse!!!


Es ist schon komisch, wie anfällig eigentlich reiche und mächtige Männer für Lob und ein bißchen Glamour sind. Ich hab ja mal in einer sehr großen deutschen Firma gearbeitet, da war klar zu erkennen, dass Sponsoring nicht nur nach objektiven Gründen vergeben wurde, sondern auch danach, dass sich führende Männer der Firma begeistert bei der Formel1 mit den Gridgirls haben fotografieren lassen. Es war immer ein bißchen peinlich. Aber die Kunden und Journalisten, die zu den Events eingeladen wurden, fanden das toll, die Manager fanden das toll. Ob die Gridgirls und Hostessen die Busengrabscher so toll gefunden haben, weiß ich nicht, es gehört wohl zur Jobbeschreibung.

Es war auch faszinierend, zu beobachten, dass auch Events mit deutschem Starpersonal für die grauen Herren der oberen Etagen immer etwas ganz besonderes hatten. Die standen dort verschüchtert rum, hielten sich verkrampft an ihren Champagnergläsern fest und die provinziell gestylten Gattinnen staunten den Soapstars nach. Aber sie gingen alle glücklich heim, sicher, für einen Abend mal das Licht gesehen zu haben.

Irgendwie musste ich an all diese Szenen wieder denken, als ich über die Geschichten rund um Bundespräsident Wulff gelesen habe. Da hatte ich auch das Gefühl, einer will auch mal ran ans Dolce Vita. Urlaub in schicken Feriendomizilen, mit Champagner, Jachten, einer neuen, schönen, blonden, jungen Frau. Hatte man sich nicht mühevoll in der grauen Partei hochgerabeitet, langweilige Politiksitzungen durchgestanden, damit man jetzt ein bißchen was abhaben kann vom echten Leben? Das steht einem doch zu, verdammt! Hey, wenn man mir das anbietet. Es sind doch alles Freunde…der Carsten, der weiß doch, wie das läuft…Carsten Maschmeyer hat überall mitgemischt und ist selbst ein lupenreiner Vertreter dieses Typus. Mit einer neuen, blonden, schönen Schauspielerin liiert, hat er sich in die deutsche Society geschoben und wird von Blättern wie Bunte hofiert. In seiner Definition hat er es sicher geschafft.

Ich glaube gar nicht, dass da wirklich groß nachgedacht wird. Es geht darum, dass viele eine Belohnung erwarten für ihr Amt, ihre Bemühungen. Anerkennung, Spaß..insofern speisen sich die Sexparties für verdiente Mitarbeiter bei Versicherungen, Sponsoringbesuche bei internationalen Events oder Urlaubsreisen von Politikern letzlich aus dem gleichen Gefühlsbrei der meist männlichen Protagonisten: sie wollen irgendwann die Früchte ernten, die man sich verdient hat. Den Status als Alphamännchen unterstreichen. Dazugehören, geniessen.

Deswegen wäre es vielleicht sinnvoll, die Parteien würden ihren Politikern mehr Gehalt bezahlen, mehr Parties schmeissen, intern, damit sie gefeit sind vor den Verlockungen derer, die von ihren Verbindungen profitieren wollen. Da hatte das italienische Modell was für sich, Bunga Bunga. Aber selbst bezahlt.

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Schuhbecks Gröstl Alm


Irgendwie ist es ermüdend, immer recht zu haben- jetzt, am Rosenheimer Weihnachtsmarkt gibt es die Schuhbecks Gröstl Alm. Als eigene Konkurrenz zum Macki? Natürlich mit Ingwerpunsch…

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Katharina Saalfrank – Opfer oder Täter?


Eigentlich eine gute Nachricht: eine der Protagonistinnen des Ekel-TV wirft hin. Zu viel geskriptete Realität, zu überinszeniert auf Kosten aller Beteiligten, vor allem der Kinder. Und macht lautstark auf diese Misstände aufmerksam.

Katharina Saalfrank, Supernanny, und Erfinderin der “Stillen Treppe”, hat gezeigt, dass sich Probleme in Problemfamilien auch ab und an durch Reden, Zuhören und ein bißchen mehr Empathie lösen lassen statt durch Schläge. Eigentlich ein gutes Konzept. Trotzdem hatte man als Zuschauer den Eindruck, wenn sich das so leicht lösen lässt, kann’s ja alles nicht so schlimm gewesen sein. Wie es nach dem Supernannybesuch in den Familien weiterging, erfuhr man ja nur selten. Außerdem erschien einem vieles gestellt. Schon lange.

Viele “eigentlich” im Text. Das liegt daran, dass ich nicht glauben mag, dass erst jetzt die Skripte überhand genommen haben. Warum beschwert sich Frau Saalfrank erst so spät? Schon längst hatten sich Teilnehmer beschwert, ihnen wäre Text in den Mund gelegt worden, Szenen nachgestellt und inszeniert gewesen. Das hätte ihr doch schon längt auffallen müssen? Ist die Supernanny eine echte Idealistin, die wirklich geglaubt hat, sie könnte etwas Gutes tun und dem verschlingenden Moloch der geskripteten Realität echte Emotionen und echte Hilfestellung entgegensetzen? Das wäre eigentlich ein toller Gedanke, dass in dem Zirkus noch nicht alle total abgekocht wären…eigentlich….aber letztendlich konnte sich das moralische Gewissen doch nicht durchsetzen. RTL wird schon wen finden, der mit süßlichem Lächeln und Musikkitsch alles niedermodriert…

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Tag 3: Kittys Cabin: The olde Sweet Shoppe


   Es gibt in Harry Potters  Universum einen Laden, bei dem es mich ganz besonders reizen würde, ihn einmal zu besuchen: Honeydukes in Hogsmeade. Der magische Süßwarenladen…In Kilkenny habe ich einen ganz besonders tollen Laden gesehen, der meiner Vorstellung von Honeydukes sehr nahekommt: Kittys Kabin, nahe am Fluß.

Zwar ist der Laden nicht wirklich magisch, übt aber eine magische Anziehung  alle aus, die Bonbons, Lutscher, Toffees, Kaugummi, Schokolade, Pralinen, Pfefferminzdragees, Gummibärchen oder Geleefrüchte schätzen. Wunderschön präsentiert und mit einer umwerfenden Auswahl ist das ein Laden, der verstehen läßt, warum die Iren täglich 150% meher Kalorien aufnehmen, als es die EU empfiehlt….Ich kaufe mir Rum-Rosinen-Toffees und Maldon Sea Salt-Fudge und bin happy.

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Ein echtes Jodeldiplom


 „Holleri du dödl di, diri diri dudl dö“ – das lernt man, wenn man ein Jodeldiplom macht. Jedenfalls in Loriots wunderbarem Klassiker, in dem Frau Hoppenstedt auf dem zweiten Bildungsweg einen Topberufsabschluss macht, der ihrem Leben Sinn gibt, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind. „Dann hab ich was Eigenes, dann hab ich mein Jodeldiplom“ Dass man damit in der Tat nicht so schlecht fährt, sieht man daran, welche gigantischen Umsätze man als volkstümlicher Musiker erzielen kann. Vermutlich wäre Helga Hoppenstedt mittlerweile reich und gern gesehener Gast bei Florian Silbereisen. Jodeln macht reich und sexy, zumindest, wenn man aus voller Brust jodeln kann. Auch Heidi Klum hat das Jodeln zum Markenzeichen gemacht.

Um da nicht ins Hintertreffen zu geraten, kann man auch bei Jochen Schweizer sein Jodeldiplom machen. Je nach Talent ist der Nervenkitzel ähnlich wie beim Houserunning. Thema des ganztägigen Kurses ist unter anderem das „Kennenlernen unterschiedlicher Jodel-Typen wie Gipfel-, Alm-, Dialog- und Echo-Jodeln, Hintergrundinformationen zur Tradition des Jodelns” und natürlich: Die Verleihung des Jodeldiploms. Dann hat man was Eigenes.

Gebucht werden kann der Kurs über: www.jochen-schweizer.de oder in den Eventgeschäften, unter anderem im Stachus Untergeschoss oder in der My-Zeil. Es gibt auch noch weniger humorige Angebote, etwa einen bayerischen Kochkurs, ein Weißwurst- oder Brauseminar.

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